Berlin, 26. September 2026. Am Internationalen Tag des Kaffees dreht sich alles um ein Getränk, das vor der ersten Tasse meist um die halbe Welt gereist ist. Genau diese Reise muss die Branche künftig lückenlos dokumentieren. Unter der EU-Entwaldungsverordnung müssen große und mittlere Unternehmen ab dem 30. Dezember 2026 für jede Lieferung Geokoordinaten der Anbaufläche vorlegen und belegen, dass dort nach dem 31. Dezember 2020 kein Wald gerodet wurde. Für Klein- und Kleinstunternehmen gilt die Pflicht ab dem 30. Juni 2027.
Kurze Kette, kurze Dokumentation
Für die Bleibtreu Lupinenkaffee UG stellt sich die Frage nach der Anbaufläche anders. Ihr Rohstoff ist die Süßlupine, und die gehört nicht zu den sieben Rohstoffen, die die Entwaldungsverordnung erfasst. Sie wächst nicht in Übersee, sondern in Thüringen. Rückverfolgbarkeit entsteht hier nicht über ein Geodatensystem, sondern über eine Kette, die man in einem Absatz beschreiben kann.
Zum Welttag des Kaffees veröffentlicht das Unternehmen deshalb ein Transparenzblatt, das jede Station mit Standort und Funktion ausweist. Die Süßlupinen der Sorte Sulimo wachsen auf dem Bergkreishof Ökologischer Landbau in Thüringen. Geröstet und verpackt wird bei der Kaffee Braun GmbH im bayerischen Mainaschaff, einer Lohnrösterei mit Trommelröstung. Marketing, Kundenservice und Versand verantwortet die Bleibtreu Lupinenkaffee UG in Berlin. Drei Stationen, alle in Deutschland.
Vom Feld über die Rösterei bis ins Berliner Lager legt der Rohstoff rund 800 Straßenkilometer zurück. Bei Rohkaffee aus Brasilien summieren sich die Zufuhr zum Hafen, der Seeweg nach Hamburg und der Weitertransport auf etwa 11.700 Kilometer. Über den CO2-Ausstoß sagt dieser Vergleich wenig, weil ein Containerschiff je Tonnenkilometer deutlich sparsamer fährt als ein Lkw. Er zeigt, wie wenige Stationen zwischen Feld und Tasse liegen.
Ein zweiter Unterschied liegt unter der Oberfläche. Die Süßlupine ist ein Pfahlwurzler: Ihre Hauptwurzel zieht tief nach unten und bricht verdichtete Schichten auf. Als Leguminose arbeitet sie mit Knöllchenbakterien zusammen, die Stickstoff aus der Luft binden und pflanzenverfügbar machen. Die Pflanze braucht deshalb kaum Stickstoffdünger, und die Folgefrucht startet auf einem besseren Boden. Wie viel Kohlenstoff dabei dauerhaft im Boden bleibt, hängt von Standort und Bewirtschaftung ab und ist für die Flächen nicht gemessen. Eine Zahl nennt das Unternehmen deshalb nicht.
„Während die Branche gerade lernt, für jede Charge Geodaten nachzuweisen, rufen wir beim unserem Partnerlandwirt an. Das ist unsere bewusste Entscheidung: der Rohstoff wächst hier“, sagt Stefan Friedrichs, Geschäftsführer der Bleibtreu Lupinenkaffee UG.
Was auf dem Blatt steht und was nicht
Belegt sind dort Sorte, Herkunft, die einzelnen Verarbeitungsschritte und das Verpackungsmaterial. Hof und Rösterei sind nach der EU-Öko-Verordnung zertifiziert, die Bleibtreu Lupinenkaffee UG selbst ist es nicht. Der Lupinenkaffee wird deshalb nicht als Bio-Produkt verkauft und trägt bisher kein Bio-Siegel. An der eigenen Zertifizierung und an einer Ökobilanz arbeitet das Unternehmen. Für eine B-Corp-Zertifizierung ist die im Herbst 2025 gegründete UG schlicht noch zu jung.
Bis diese Nachweise vorliegen, wirbt Bleibtreu mit dem, was in der Kette dokumentiert ist, und nicht mit Zahlen und Aussagen, die dafür noch keine Grundlage haben.
Es geht um das Ritual
Bei allem, was im Produktionsprozess dokumentiert ist, verkauft Bleibtreu am Ende keine Lieferkette, sondern den Moment, in dem Menschen zueinander finden. Die Lupine enthält von Natur aus kein Koffein, es muss ihr nicht entzogen werden. Geröstet schmeckt sie schokoladig und nussig. Zubereitet wird sie wie herkömmlicher Kaffee, in der French Press, im Siebträger oder im Espressokocher.
„Wir treten nicht gegen Kaffee an. Uns interessiert der Moment am Nachmittag, in dem man eigentlich keinen mehr trinken sollte, aber trotzdem eine Tasse in der Hand halten möchte“, sagt Amir Al-Anesi, Mitgründer der Bleibtreu Lupinenkaffee UG.
Erhältlich ist der Lupinenkaffee über den eigenen Online-Shop und in ausgewählten Partnercafés.
Über Bleibtreu Lupinenkaffee
Die Bleibtreu Lupinenkaffee UG (haftungsbeschränkt) ist ein Berliner Start-up, das seit April 2026 koffeinfreien Lupinenkaffee produziert und vertreibt. Hinter dem Unternehmen stehen Amir Al-Anesi, Lisa Jacob, Stefan Friedrichs und Matthias Schwarzer. Namensgeber ist Ludwig Otto Bleibtreu, der 1781 in Braunschweig eine der ersten deutschen Manufakturen für pflanzliche Kaffeealternativen betrieb, damals auf Basis von Zichorie. Der Anspruch ist derselbe geblieben: Lupinenkaffee soll Menschen zusammenbringen. Weitere Informationen unter www.bleibtreu-lupinenkaffee.de und auf Instagram unter @bleibtreu_lupinenkaffee.
